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09. Februar 2010
 

Sport

 
Internationaler Sportgerichtshof in Lausanne. Quelle: reuters

Internationaler Sportgerichtshof

Die letzte Instanz in Sachen Sport

Der internationale Sportgerichtshof CAS

von Benjamin Donath

Sport findet längst nicht mehr nur in Stadien und Hallen, sondern immer mehr auch in Gerichtssälen statt. Transferstreitigkeiten, Vertragsfragen und Doping-Anschuldigungen landen nicht selten vor dem CAS, der höchsten Instanz der Sportgerichtsbarkeit.

 
 
 
 

CAS steht für "Court of Arbitration for Sport", zu Deutsch: Schiedsgerichtshof des Sports. Und der befindet sich im Schweizerischen Lausanne, genauer gesagt: im Chateau de Bethusy, einem nur zwei Kilometer entfernt vom Genfer See gelegenen Schlösschen. Dort residieren die inzwischen 18 festangestellten Mitarbeiter.

Zitat

„Ich als Jurist halte ich die zunehmende Verrechtlichung für bedenklich. Das entspricht nicht der Spontaneität des Sports.“

Thomas Bach

Steigende Zahl an Prozessen

Über mangelnde Arbeit brauchen sich diese sowie die auf Abruf stehenden 266 Richter aus 78 Ländern nicht zu beklagen. Die Anzahl der Fälle, die es zu verhandeln gilt, steigt seit der Gründung vor 25 Jahren kontinuierlich an. 2008 waren es 318 Verfahren, 1995 nur 13. Damit stößt das unabhängige, vom IOC teilfinanzierte Gericht mehr und mehr an seine Kapazitätsgrenzen.

Diese steigende Zahl an Prozessen und die zunehmende Bereitschaft von Seiten des Sports, Entscheidungen rechtlich anzufechten, kritisiert der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und IOC-Vize, Thomas Bach dem ZDF: "Als Jurist halte ich die zunehmende Verrechtlichung für bedenklich. Das entspricht nicht der Spontaneität des Sports."

 

Im Dienst der Regeln des Sports

Zumal ein Verfahren sich länger hinziehen kann - ein Vorwurf, der dem CAS immer wieder gemacht wird. Diesen weist Bach jedoch entschieden zurück: "Der CAS beschleunigt die Verfahren, indem er als einzige Instanz wirkt. Wenn wir bei staatlichen Gerichten wären, hätten viele Verfahren, die wir längst beendet haben, noch gar nicht begonnen." Auch DOSB -Justitiar Holger Niese verweist auf die längere Prozessdauer vor staatlichen Gerichten und fügt hinzu: "Entscheidungen zu Dopingstreitigkeiten sind häufig nur über Begutachtungen möglich, die ausgewertet werden müssen. Da kann es natürlich schon mal zu Verzögerungen kommen."

Zitat

„Sportrechtsstreitigkeiten sind häufig nur über Begutachtungen möglich, die ausgewertet werden müssen. “

DOSB-Justiziar Holger Niese

Bach betont die Wichtigkeit und die Unabhängigkeit der Instanz - schließlich sei der CAS nicht in die sportpolitischen Fragen eingebunden: "Er verhilft den Regeln und Gesetzen des Sports zur Durchsetzung. Darin war und ist er verlässlich." Diese Akzeptanz genoss das Schiedsgericht allerdings über viele Jahre nicht bei allen Beteiligten. Leichtathletik- und Fußball-Weltverband zögerten lange, sich der Gerichtsbarkeit zu unterwerfen, taten dies aber 2001 beziehungsweise 2002. Zuletzt erkannten auch der Rugby-Verband und die Formel 1 - zumindest in Dopingfragen - den CAS als letzte Rechtsinstanz an.

 

CAS als letzte Instanz

Die Befugnisse des CAS sind weitreichend: Ein Urteil in Lausanne hat Bestand, erklärt DOSB-Justiziar Niese: "Das funktioniert analog zu deutschen Schiedsgerichten. Ein Schiedsgerichtsurteil gleicht dem eines staatlichen Gerichts." Nur bei elementaren Fehlern, ganz groben Schnitzern des Gerichts, könne das Urteil vor einem staatlichen Gericht überprüft werden, so Niese weiter. Im Falle des CAS wäre das Schweizer Bundesgericht zuständig. Auch das befindet sich in Lausanne, ist allerdings nicht ganz so mondän gelegen.

 
 

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IOC-Vize Thomas Bach

Video starten Thomas Bach im ZDF-Interview

IOC-Vize über Olympisches und den CAS