Am 22. und 23. Oktober wird der Sportgerichtshof CAS den Fall Claudia Pechstein verhandeln. Sollte das Gericht deren Dopingsperre bestätigen, rechnet Gian Franco Kasper, der Präsident des Ski-Weltverbandes, mit einer Flut weiterer Dopingsperren.
"Wir haben im Skiverband - wie wohl alle anderen Verbände auch - eine schwarze Liste mit Sportlern, bei denen wir aus Blutuntersuchungen wissen, dass Veränderungen stattgefunden haben", sagte Kasper der "Welt am Sonntag".
Bestätigt das Gericht Pechsteins Sperre, ist ein Präzedensfall geschaffen. Und deshalb könnten laut Kasper viele Verbände mit einer langen Liste kommen.
"Wir haben gerade im Bezug auf Wachstumshormone große Verdachtsmomente, wissen aber genau, dass das nicht bestehen würde vor Gericht. Es gibt zwar einen Test, aber noch kein Gericht, das ihn für zulässig befunden hat", sagte Kasper.
Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin war von der Disziplinarkommission des Weltverbandes ISU wegen überhöhter Blutwerte für zwei Jahre gesperrt worden, sie hatte gegen dieses Urteil jedoch beim CAS in Lausanne Einspruch eingelegt.
Sollte der CAS die Sperre von Pechstein aufheben, könnte die 37-Jährige sowohl an den deutschen Meisterschaften Ende Oktober in Berlin als auch an den für die Olympia-Qualifikation entscheidenden Weltcups teilnehmen.
"Der Fall lässt keinen Raum für Optimismus: Entweder unser Verband verliert oder wir verlieren unsere fünfmalige Olympiasiegerin. Egal, wie das Urteil ausfällt: Ich werde nicht glücklich sein", sagte ISU-Präsident Ottavio Cinquanta der "Welt am Sonntag". "Für uns gibt es so oder so nichts zu feiern. Wir sind als Verband gehalten, die olympische Charta zu respektieren: Dazu zählt der Antidopingcode. Genau das haben wir getan."
Kasper ist davon überzeugt, dass das Urteil im Fall Pechstein sehr interessant für alle Verbände sein wird, weil es in der Kernfrage darum gehe, ob Sanktionen allein aufgrund von Indizienbeweisen verhängt werden dürfen: "Davon träumen alle, die die Täter bestrafen wollen", sagt der Ski-Boss.